Naturwissenschaftlich-technologisches und Sprachliches Gymnasium  

Informationen aus erster Hand - Michael Ingber leitet einen Workshop zum Nahen Osten

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Warum ist Palästina von den Landkarten verschwunden? Was sind israelische Araber? Und: Ist Wehrdienstverweigerung in Israel möglich? Fragen wie diese standen bei einem Workshop auf der Tagesordnung, der an unserer Schule für die Teilnehmer des Israel-Austauschs abgehalten wurde. Referent war Herr Michael Ingber von der Akademie für politische Bildung in Tutzing. Herr Ingber ist ein 1945 in den USA geborener Jude, der nach Israel auswanderte und dort lange Jahre als Offizier in der Armee seinen Dienst tat. Nach der Beendigung seiner aktiven Karriere im Militär arbeitete der studierte Philosoph und Judaist Ingber unter anderem als Projektkoordinator für Sozial- und Bildungsprogramme. Seit 2001 lebt er in Österreich und arbeitet als freiberuflicher Wissenschaftler an mehreren Universitäten und Bildungseinrichtungen.

Im Verlauf des Workshops wurden die politischen und geistesgeschichtlichen Hintergründe erläutert, die zur Zionismusbewegung, zur Gründung des Staates Israel und damit auch zum Israel-Palästina-Konflikt führten. Angesichts des Lebenslaufes und des immensen Wissens, das unser Referent über den Nahen Osten hat, entwickelte sich ein Gespräch, das reich an Fakten und zum Teil auch überraschenden Einsichten war. So hob Herr Ingber unter anderem mit  Nachdruck hervor, dass man den Staat Israel nicht mit der Region Palästina gleichsetzen dürfe, auch wenn auf den Landkarten seit den 1950er Jahren der Begriff „Palästina“ kaum mehr auftauche. Dabei heiße der Raum immer noch Palästina. Immer wieder appellierte er deshalb an die Schülerinnen und Schüler, kritisch mit Begriffen umzugehen, die in den Medien und in der Politik verwendet würden. So sei zum Beispiel der Begriff „israelische Araber“ ein geschickter Versuch zu verschleiern, dass es in Israel natürlich auch palästinensische Staatsbürger gebe und der israelisch-palästinensische Konflikt eben nicht nur im Westjordanland und im Gazastreifen ausgetragen werde. Interessant war es für uns darüber hinaus zu erfahren, wie in Israel mit Wehrdienstverweigerern umgegangen wird - ein Thema, das in der Öffentlichkeit kaum angesprochen wird. Eine vollständige Verweigerung, so Ingber, sei für jüdische Staatsbürger kaum denkbar, sofern sie nicht einer ultraorthodoxen Gemeinde angehören. Hingegen gebe es aber durchaus Soldaten, die z.B. den Einsatz im Westjordanland verweigern und statt dessen für mehrere Monate in Haft gehen würden. Während aber der Staat damit verhältnismäßig gelassen umgehe, sei für die Verweigerer die soziale Ächtung im Anschluss deutlich bedrückender. Im Laufe des Workshops, dessen Kosten vollständig von der Akademie für politische Bildung getragen wurden, zeigte sich immer mehr, wie komplex, facettenreich und zugleich faszinierend der Raum Israel-Palästina ist. Nachdem unsere Schülerinnen und Schüler das Land im Oktober selbst bereist und dort eigene Eindrücke gewonnen hatten, stellte die Veranstaltung eine wertvolle Ergänzung dar. Manches von dem, was wir auf unserer Reise sehen und erleben durften, wurde so erklärt oder mit historischen Fakten untermauert. Frau Krautloher, die Herrn Ingber im Namen der Schule begrüßte, bedankte sich denn auch herzlich für dessen Engagement und lud ihn ein, den Workshop im nächsten Jahr wieder anzubieten.

StD Konrad Wieland

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