Naturwissenschaftlich-technologisches und Sprachliches Gymnasium  

Der Beginn einer wunderbaren Freundschaft: Schulpartnerschaft mit der Dror-Highschool in Tel Mond/Israel beginnt

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Flughafen Ben Gurion, Tel Aviv. Zehn Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums Vilshofen marschieren zusammen mit ihren Lehrern Carina Vogl und Konrad Wieland Richtung Ausgang und sind gespannt darauf, wer und was sie nach der Zollkontrolle erwartet. Der lange geplante Schüleraustausch mit der israelischen Dror-Highschool in Tel Mond wird gleich beginnen - und zwar zum ersten Mal. Es ist also Neuland, das die Reisegruppe damit betritt. Doch schon nach wenigen Augenblicken wird klar, dass alle Sorgen unbegründet sind. Herzlich und mit großem Hallo werden Schüler wie Lehrer von ihren israelischen Gästen und ihren Lehrern Agat Himmelhoch und Amit Sarfati empfangen, umarmt und augenblicklich ins Herz geschlossen.

Was nun folgte, war eine Woche voller spannender, interessanter und oft auch heiterer Erlebnisse und Eindrücke in dem kleinen Land im Nahen Osten. Bei ihren israelischen Gastgebern erlebten unsere Schülerinnen und Schüler den typisch israelischen „Way of Life“, feierten mit ihnen das jüdische Sukkot-Fest (Laubhüttenfest) und verbrachten ihre Freizeit beim Bowling oder am Strand. Aber auch das von den Gastgebern ausgearbeitete Programm war prall gefüllt: Nach einem Tag in den Familien ging es ins moderne Tel Aviv, wo es zu einer besonderen Begegnung mit Rotem Genossar kam. Der von ihm gegründete Sportclub „Razei HaSimta“ hat es sich zum Ziel gesetzt, Flüchtlinge mit Hilfe des Sports in die israelische Gesellschaft zu integrieren. Mit Erfolg: Einige seiner Schützlinge konnten bei israelischen Meisterschaften sogar das Siegerpodest erklimmen, auf die Probleme nichtjüdischer Immigranten aufmerksam machen und sich einen Platz in der israelischen Gesellschaft erkämpfen.

Ein Besuch der Altstadt von Jerusalem zeigte der bayerischen Delegation am folgenden Tag, wie vielfältig und oft auch kompliziert das Leben in Israel sein kann: Zusammen mit den israelischen Schülerinnen und Schülern besichtigte die Reisegruppe das moderne Jerusalem sowie den jüdischen Teil der Altstadt und staunte an der westlichen Mauer, der sogenannten Klagemauer, über 4000 Jahre jüdische Geschichte und Kultur.  Den arabischen und christlichen Teil der Stadt mussten die Vilshofener Schülerinnen und Schüler hingegen alleine erkunden. Für jüdische Schülergruppen, so erklärte Agat Himmelhoch, sind diese Bereiche aus Sicherheitsgründen tabu. Aber gerade in diesen Vierteln zeigt Jerusalem sein orientalisches Gesicht: enge Gassen, die Rufe des Muezzins, kleine Läden im arabischen Suq voller Gewürze, Stoffe oder Haushaltswaren - und dazwischen die Souvenirläden für die christlichen Pilger aus aller Welt.

Vor der Klagemauer Stadtansicht Jerusalem

Tiefen Eindruck hinterließ am folgenden Tag der Besuch in der zentralen Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem. Yad Vashem, so erläuterte eine Museumspädagogin den Schülerinnen und Schülern, bedeutet „Denkmal und Name“. Und so ist dieses Museum nicht nur eine Stätte, die an die Schrecken des Holocausts erinnern und diese aufarbeiten soll, sondern es ist auch ein Kernanliegen der Einrichtung, den Millionen von Opfern ihre Identität wiederzugeben, die ihnen von den Nationalsozialisten genommen werden sollte. Besonders eindrucksvoll gelingt dies am Gedenkort für die über 1,5 Millionen ermordeter Kinder.

Nach so viel Kultur und Geschichte ging es schließlich in die judäische Wüste, wo die Schülerinnen und Schüler zuerst mit dem Kamel die Landschaft durchquerten und im Anschluss in einem Beduinendorf geradezu fürstlich bewirtet wurden. Eine Beduinenfrau berichtete der Gruppe vom Leben dieses einst nomadischen Volkes und von seiner gegenwärtigen Situation. Bei Sonnenaufgang erwanderten die Schülerinnen und Schüler am nächsten Tag die alte Herodesfestung Masada, die 300 Meter hoch über dem Jordangraben liegt. Der Lohn für den Aufbruch um fünf Uhr morgens: ein grandioses Panorama im Morgenlicht. Und natürlich durfte das Bad im Toten Meer nicht fehlen.

Ebenso wenig fehlen durfte schließlich auch ein Besuch in der Dror-Highschool in Tel Mond. Die Dror-School ist mit etwa 2100 Schülerinnen und Schülern die größte Schule Israels. Neben herkömmlichen, lehrerzentrierten Unterrichtsformen versucht die Schule auch neue, reformpädagogische Wege zu gehen. Einen wichtigen Aspekt nimmt zudem die Verständigung zwischen Israelis und Deutschen ein. Gerade mit Blick auf das schwierige Verhältnis Deutschlands zu Israel in der Vergangenheit und auf die gegenwärtig deutlich werdenden antisemitischen Tendenzen in Deutschland, ist es für beide Seiten wichtig, aufeinander zuzugehen, sich kennenzulernen und persönliche Kontakte zu knüpfen. Denn wer einander kennt, wer um die Eigenheiten, Wünsche, Sorgen und auch Nöte des anderen weiß, kann dessen Handeln besser verstehen und ist gegen Klischees und Stereotype gefeit. Aus diesem Grund, so betonte auch die Schulleiterin, Frau Keren Edery Cohen bei einem Treffen mit den Lehrkräften, sei es für die Schule von großer Bedeutung, neben Partnerschulen in Hessen, Berlin und im Ruhrgebiet nun auch einen Austausch mit einem bayerischen Gymnasium beginnen und aufbauen zu können. Wie wichtig auch der deutschen Seite dieser Austausch ist, zeigte sich nicht zuletzt in der Hilfe durch den Verein der Freunde und Förderer des Gymnasiums Vilshofen. Dieser trug nicht nur selbst finanziell zur Verwirklichung der Reise bei, sondern konnte auch den Landkreis Passau, sowie die Sparkasse und die Volksbank Vilshofen für eine finanzielle Unterstützung gewinnen. Ihnen allen sei an dieser Stelle ausdrücklich gedankt!

Dass das Ziel der Reise, sich einander näher zu kommen, geglückt ist, bewies schließlich der herzliche, ja tränenreiche Abschied am Ende der Reise, bevor es wieder zum Flughafen Ben Gurion in Tel Aviv ging. Zum Traurigsein jedoch besteht kein Grund: Schon im März wird der Gegenbesuch in Vilshofen stattfinden. Und die Vorbereitungen für den Austausch im Schuljahr 2020/21 sind bereits im Gange. Kurz und gut: Die Reise war der Beginn einer wundervollen Freundschaft!  

StD Dr. Konrad Wieland

Aussicht Am Toten Meer

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