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Seit 100 Jahren dürfen Frauen wählen: Ausstellung und Festakt am Gymnasium Vilshofen

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Heute ist es vollkommen normal, dass Frauen wählen. Doch dieses Grundrecht wurde ihnen lange Zeit vorenthalten. Sogar Frankreich, das man im Zuge der Französischen Revolution immer als besonders fortschrittlich und liberal in Erinnerung hat, führte das Frauenwahlrecht für seine Verhältnisse erst relativ spät ein. Der traditionell geprägte Senat verhinderte hier eine frühere Möglichkeit für Frauen, aktiv ihre Stimme abzugeben. Erst 1944 war es soweit: Die Frauen erhielten im Zuge ihrer Verdienste um die Resistance gegenüber Nazideutschland das uneingeschränkte allgemeine Wahlrecht zugesprochen. Andere Länder wie Liechtenstein brauchten sogar noch viel länger für diesen Schritt. So erlaubte Liechtenstein seinen Frauen gar erst im Jahre 1984 wählen zu gehen. Insofern liegt Deutschland, wo Frauen erstmals 1918 an Wahlen beteiligt waren, gar nichtmal so schlecht, ist aber andererseits weit von Ländern wie Finnland entfernt, das dieses Recht schon seit 1906 kannte.

Schnell ging also nichts bezüglich eines allgemeinen Wahlrechts für Frauen, und es musste den politischen Machthabern und großen Teilen der Gesellschaft auch erst mühevoll und mit großem Einsatz abgetrotzt werden. Diesen mutigen und selbstbewussten Frauen ist die Ausstellung des Frauenmuseums Bonn gewidmet, die zur Zeit an unserer Schule zu sehen ist und welche in einem Festakt offiziell eröffnet wurde. Die Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises Passau, Frau Melanie Wagner, hatte hierzu die Idee und war maßgeblich daran beteiligt, dass die zahlreichen Infotafeln und Schaukästen den Weg in unser Schulgebäude fanden.

Neben Herbert Püls, dem Amtschef am Bayerischen Kultusministerium, waren zum Festakt auch MdL Walter Taubeneder, Landrat Franz Meyer, Bürgermeister Florian Gams und natürlich Schulleiter Stefan Winter gekommen, um dem besonderen Stellenwert des Themas Ausdruck zu verleihen. Mit der Kabarettistin Lisa Fitz, der Politikwissenschaftlerin Ursula Münch und unserer Schülersprecherin Melanie Schlager konnten außerdem drei überaus engagierte und erfolgreiche Frauen gewonnen werden, die im Rahmen einer Podiumsdiskussion zu beleuchten versuchten, wo Frauen in der heutigen Gesellschaft stehen, wie sie ihre Interessen vertreten sollten und welche Perspektiven sie haben. Walter Taubeneder, der einzige männliche Diskutant, brachte dabei seine jahrzehntelange Erfahrung im politischen Betrieb ein und sprach unter anderem das Problem an, dass Frauen in der Kommunalpolitik unterrepräsentiert seien, weil sie auch viel seltener einer Partei beitreten würden. Hier pflichtete Ursula Münch ihm bei: Gerade die Parteibasis sei angesichts dieser Entwicklung gefragt, verstärkt Frauen anzusprechen, ihnen Räume zu geben und sie zu fördern. Kontrovers beurteilt wurde hingegen seine These, dass Männer bessere Netzwerke bilden könnten. Dies läge wohl eher daran, dass Personal- und Amtschefs – in der Regel Männer – gerne Leute einstellten, die ihnen selbst ähnlich seien, oder wie Münch es süffisant ausdrückte: „Ein Hans wählt meistens ein Hänschen aus.“

Überhaupt die Männer: Ohne ihre Mithilfe – da waren sich die Diskutanten einig – ist eine Veränderung der Situation für Frauen hin zu mehr gesellschaftlicher Gleichberechtigung nicht möglich. Dies gilt vor allem im Privaten: „Eine Vollzeitstelle und der gesamte Haushalt ist sehr schwer oder kaum für eine Person alleine zu bewältigen“, wusste Ursula Münch. Insofern seien die beruflichen Chancen für Frauen weiterhin ungleich verteilt. Unter den Frauen durchaus umstritten war die Frage nach einer Quotenregelung bei der Besetzung von Spitzenpositionen oder Listenplätzen. Während Melanie Schlager dies ablehnte und nur durch persönliche Leistung überzeugen möchte, merkte Münch an, dies sei eine typische Position einer Unter-40-Jährigen. Ältere Frauen hätten hingegen hätten bereits die Erfahrng machen müssen, dass Leistung alleine leider nicht reiche. Lisa Fitz setzte dagegen ebenso auf den starken Willen der Frauen: „Wer etwas unbedingt möchte, kann es auch schaffen, muss diesen Weg aber auch gegen andere verteidigen“, war ihr Credo. Sie war es auch, die mit einem sehr ansprechenden und amüsanten kabarettistischen Beitrag den Schlusspunkt des offiziellen Teils setzte. Im Anschluss konnten die Besucher die Ausstellung besuchen oder einem kleinen Imbiss Meinungen zu diesem sehr wichtigen Thema austauschen.

Wir bedanken uns sehr herzlich beim Landkreis Passau für die Organisation dieses Abends, bei der Bigband des Gymnasiums unter der Leitung von Bernhard Glessinger für die fulminante musikalische Gestaltung des Festakts und bei allen weiteren Beteiligten auf und vor der Bühne!

OStR Markus Peter

Fotos: Gesine Hirtler-Rieger, Vilshofener Anzeiger

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