naturwissenschaftlich-technologisches und sprachliches Gymnasium.  

Wie Hormone unser Miteinander steuern: Ein Vortrag des ehemaligen Schülers Professor Oliver Bosch

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Nein, für Romantiker war der Vortrag von Oliver Bosch vom Lehrstuhl für Tierphysiologie und Neurobiologie an der Universität Regensburg wirklich nichts. Jedenfalls dann, wenn unter Romantikern Menschen verstanden werden, die an die wahre Liebe glauben - und dass sie im Fall des Falles unser Verhalten beeinflusst. In Wirklichkeit und unter der Lupe der Naturwissenschaften betrachtet sind es nämlich die schwer auszusprechenden Hormone Oxytocin und Vasopressin, die unser Miteinander steuern. Nachweisen kann man das in Experimenten mit Wühlmäusen, welche ihr Verhalten nach der Gabe des Kuschelhormons Oxytocin maßgeblich ändern: aus vormaligen Einzelgängern werden monogam lebende Tiere, und umgekehrt gehen Wühlmäuse in Paarbindung keine solchen mehr ein, sobald die Oxytocinrezeptoren blockiert werden. Wer also das wahre Geheimnis vom Zusammenleben von Individuen verstehen will, sollte nicht Soziologe, Psychologe oder gar Paartherapeut sein, sondern Neurobiologe, soviel war den zuhörenden Schülern der Oberstufe schnell klar.

Ein solcher ist Oliver Bosch, der als „waschechter Vilshofener“ an unserem Gymnasium 1991 sein Abitur ablegte und nun als außerplanmäßiger Professor das Sozialverhalten aus neurobiologischer Sicht wissenschaftlich erforscht. Sein äußerst kurzweiliger und gut verständlicher Vortrag bildete den Auftakt einer lockeren Reihe von Gastvorträgen ehemaliger Schüler, die mittlerweile in der Wissenschaft tätig sind und gerne Einblicke in ihren Berufsalltag gewähren. Zwei bis drei solcher Veranstaltungen sollen künftig pro Jahr für passende Kurse der Oberstufe angeboten werden, um die Berührungspunkte des herkömmlichen Unterrichts mit „richtiger Forschung“ deutlicher herauszustellen, positive Auswirkungen bezüglich Anschaulichkeit und Schülermotivation inklusive.

Hormone steuern aber nicht nur das Zusammenleben und die Paarbindung an sich, wie Bosch den Schülern deutlich machte. Auch das Einzelverhalten und allgemeine psychische Veränderungen sind auf sie zurückzuführen. Während eine hohe Oxytocinausschüttung beispielsweise mutigeres Verhalten fördert, kann der Tod eines Partners über die Bildung von Stresshormonen zu Depressionen führen, wie im Tier-Experiment zu beobachten war. Genau hier liege die besondere Bedeutung dieser Grundlagenforschung für den Menschen, wie Bosch ausführte, denn gerade psychische Erkrankungen seien in der modernen Leistungsgesellschaft auf dem Vormarsch, von Trauerfällen und anderen seelischen Belastungen ganz zu schweigen. Hormonpräparate könnten diesbezüglich Linderung bringen.

Oliver Bosch kam bei seinen Zuhörern sehr gut an und hat ihnen gleichzeitig ein Beispiel gegeben, in welche Richtung sich der eigene Studien- oder Ausbildungsweg entwickeln könnte. Dass solche Ergebnisse nur durch permanente und sorgfältige Laborarbeit möglich sind, war jedenfalls vorher nicht jedem Schüler klar. Hierfür sei ihm herzlich gedankt.

Besonderer Dank gebührt aber auch dem Förderkreis des Gymnasiums Vilshofen, ohne dessen großzügige Unterstützung Formate wie dieses nicht möglich wären.

StR Markus Peter

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