naturwissenschaftlich-technologisches und sprachliches Gymnasium.  

Nahe den Brettern, die die Welt bedeuten - sehr erfolgreiches Jahr des Theaterabos

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„Das Drama ist erschöpfender als der Roman, weil wir alles sehen, wovon wir sonst nur lesen“ – mit diesem Zitat trifft Franz Kafka, ohne die Epik abwerten zu wollen, den Nagel ziemlich genau auf den Kopf: Handlung auf der Bühne live zu verfolgen, die Entwicklung von Konflikten zu erleben, mit den Figuren mitzufiebern, das ist die Quintessenz dieser Gattung und Grund für die Faszination, die von Bühnenwerken seit mehr als 2500 Jahren ausgeht.

Auch in diesem Schuljahr nahmen 75 dramenbegeisterte Schülerinnen und Schüler aus den Jahrgangsstufen 9 bis 12 am Theaterabo des Gymnasiums Vilshofen teil. Die Plätze, die per E-Mail-Anmeldung vergeben wurden, waren in nur etwas mehr als zwei Minuten ausgebucht, mit 25 Schülern zusätzlich, die nurmehr auf der Warteliste unterkamen – welch Zeichen der großen Faszination durch diese Form der Literatur!

Drei Stücke standen heuer auf dem Programm, alle in München, zwei davon im Residenztheater, eines im Volkstheater. Den Anfang machte Ödön von Horváths Werk „Glaube Liebe Hoffnung“ auf den Bühnen des Bayerischen Staatsschauspiels, ein Drama aus dem Jahr 1932. Elisabeth, die Protagonistin, ist auf Geld angewiesen, um einen Wandergewerbeschein zu bekommen, ohne den sie nicht arbeiten darf; diesen erhält sie wiederum nur mit Geld, das sie durch Arbeit verdienen müsste, was sie aber nicht darf – ein Teufelskreis. Sie verkauft verzweifelt ihren Körper an das Anatomische Institut, damit es nach ihrem Tod über ihn verfügen kann, und bekommt unter der Vorgabe, das Geld für den Gewerbeschein zu verwenden, dafür 150 Mark, die sie aber zur Begleichung einer Strafe für Arbeiten ohne Gewerbeschein heranzieht. Zuvor hatte sie sich von Frau Prantl bereits dieselbe Summe geliehen – Elisabeth sieht sich dem Vorwurf des Betrugs ausgesetzt und wird verhaftet. Nach ihrer Entlassung macht sie sich Hoffnung auf ein Leben mit dem Polizisten Alfons Klostermeyer, die sich jedoch zerschlägt, als er von der Vorgeschichte seiner Freundin erfährt. Nach den Gründen für Elisabeths Handeln wird nie gefragt, jeder verhält sich rücksichtslos und passiv, die Protagonistin wird ihrem Schicksal überlassen.

Das Gefühl der Auslieferung an gesellschaftliche Kräfte dominiert auch das zweite Stück, Franz Kafkas Roman „Das Schloss“, welchen das Volkstheater der Landeshauptstadt für die Bühne umgeschrieben hat. Die namenlos bleibende Zentralfigur K. – der Begriff „Held“ oder „Protagonist“ verbietet sich angesichts der erschütternd geringen Möglichkeiten des selbstbestimmten Handelns – trifft in einem winterlichen Dorf ein, das zum Herrschaftsbereich des naheliegenden Schlosses gehört. Er behauptet, der von diesem Schloss bestellte Landvermesser zu sein, doch alle Versuche, zu diesem und seinen Mitarbeitern Zugang zu finden, misslingen. Dies hält K. aber nicht davon ab, das Finden eines Wegs in das Schloss zu seiner einzigen Lebensaufgabe zu erheben – eine Aufgabe, die scheitern muss, sodass die Anerkennung seiner beruflichen wie privaten Existenz ins Leere geht. Doch nicht nur K., auch die Mitarbeiter des Schlosses sind dem von ihnen unterstützten Apparat ausgeliefert, denn dessen Eigendynamik werden sie schon lange nicht mehr Herr. Eine wuchtige Aufführung, unterstützt durch ein perfekt angepasstes Bühnenbild und getragen vom Prinzip des Schwarms – jeder Schauspieler übernimmt im Lauf des Stücks verschiedene Rollen, um den Kern des Werks, die Machtlosigkeit aller gegenüber einem Behördenapparat, zu verkörpern.

Kein Jahr ohne Shakespeare – welch beeindruckende Inszenierung von „Macbeth“, wiederum am Residenztheater! Hier handeln Helden in einem klassischen Sinn in einem dem klassischen Aufbau aus fünf Akten entsprechenden Stück, aber sie nutzen ihre Autonomie nicht für das Gute, sondern das Böse – und berauben sich gerade dadurch ihrer Handlungsfähigkeit, indem sie von ihren Missetaten verfolgt und letztendlich wahnsinnig werden. Machtstreben, Ordnung und Chaos, Gewissen und Schuld, die Rolle des Schicksals – nur einige Motive, deren Klaviatur „the master himself“ perfekt beherrscht und die auf der Bühne genial umgesetzt werden, mit Hebungen, Drehungen, einer hoch symbolischen Beleuchtung und mit wenigen, aber dafür umso wichtigeren Requisiten wie den effektvoll eingesetzten Schwertern, von denen anfangs, analog zur Zahl der Opfer im Lauf des Stücks, neun in der Hebebühne stecken, am Schluss nurmehr eines – das für Macbeth selbst. Auch das Schauspielensemble beeindruckte sehr – viel und lang anhaltender Applaus.

Wir danken allen Schülerinnen und Schülern sehr herzlich für die rege Teilnahme, insbesondere unseren neuen Mitgliedern aus den 9. Klassen, aber auch den treuen Abonnenten aus der Q12, die wir über vier Jahre sehr gerne dabei hatten; über das Ehemaligen-Abo seid ihr auch künftig gern gesehene Gäste! Auf ein Neues im Schuljahr 2017/18 – die nächsten Premieren warten schon, wir freuen uns, sie mit euch allen gemeinsam zu erleben!

Dr. Christian Große, OStR

Klaus Habermeier, StD

Dr. Michael Schweikl, StR

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