Naturwissenschaftlich-technologisches und Sprachliches Gymnasium  

Das P-Seminar auf den Spuren von NS-Erinnerungsorten: Ausstellungseröffnung im Atrium

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"Ich habe gemerkt, dass ich nun jedesmal, wenn ich am Holocaust-Mahnmal in Passau vorbeigehe, an die Geschichte seiner Entstehung denken muss", erläutert Verena Thierfelder einigen interessierten Zuhörern, als sie gefragt wird, was ihr die Beschäftigung mit diesem speziellen Erinnerungsort gebracht habe. Souverän und kompetent steht sie vor einer von ihr gestalteten Schautafel im Atrium des Gymnasiums Vilshofen und informiert die anwesenden Ausstellungsbesucher über ihr persönliches Projekt, eben jenes Mahnmal, das - direkt am Inn gelegen - bereits vielfach als Fotomotiv hergehalten hat, über dessen Errichtung und Gestaltung aber kaum jemand Bescheid weiß. "Erst in den 90er-Jahren des vorigen Jahrhunderts konnte man sich hierzu durchringen", führt sie aus, "vorher wurden in erster Linie Kriegerdenkmäler errichtet." Man merkt sofort, dass Verena nicht nur weiß, wovon sie spricht, sondern dass ihr die Thematik äußert wichtig ist. So wie allen insgesamt 15 Schülerinnen und Schülern des P-Seminars Geschichte, die in den vergangenen eineinhalb Jahren unter der fachkundigen Anleitung von Herrn Dr. Eberhardt Orte des Nationalsozialismus in Stadt und Landkreis Passau ausfindig machten, sich darüber eingehend informierten und nun, im Rahmen einer abschließenden Ausstellung, ihre Geschichte erzählen, auf den Tag genau 75 Jahre nach der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz durch sowjetische Kampfverbände.

Einige bekannte, aber sehr viele weniger bekannte Orte finden sich da: Nammering und die Vorgänge um den KZ-Transport dürften wohl aufgrund der Berichterstattung der letzten Jahre im öffentlichen Bewusstsein angekommen sein. Aber wer weiß schon etwas vom Schicksal der jüdischen Kaufmannsfamilie Finger, an deren jüngsten Sohn ein sogenannter Stolperstein im Vilshofener Straßenpflaster erinnert? Wer ist im Bilde, dass es in Passau Außenlager von Dachau und Mauthausen gab, wo Häftlinge in unmittelbarer Nähe zu den Einheimischen unter teilweise unsäglichen Umständen schuften mussten? Wer hat schon davon gehört, dass die NSDAP im so nicht mehr existierenden alten Konzertsaal in der Vilshofener Kapuzinertraße Massenkundgebungen abhielt? Es sind Orte der Täter, der Opfer und Orte der Erinnerung, die hier vorgestellt werden. Und wer mit offenen Ohren durch die Ausstellung geht und den Ausführungen der Schülerinnen und Schüler lauscht, kann Sätze wie "Das ist mir jetzt neu" oder "Hier war das, gleich in der Nachbarschaft?" vernehmen - nicht nur einmal.

"Ich habe anhand der Schautafeln mal wieder gemerkt, dass sich Geschichte, die ja oftmals abstrakt und weit weg ist, wirklich ereignet hat, und zwar unmittelbar vor Ort, vor der eigenen Haustür", bekennt auch Stefan Winter in seinem Grußwort am Beginn der Veranstaltung. Man fahre oft gedankenlos an solchen Orten vorbei, weil man auch nicht immer das nötige Hintergrundwissen habe, um sich ihnen zu nähern. "Deshalb ist es mehr als lobenswert, wenn uns junge Menschen auf diese Orte hinweisen, sie uns aufschließen", findet der Schulleiter und stellt nochmals die Notwendigkeit der Erinnerung an den Holocaust heraus. Gleiches tut anschließend auch Bürgermeister Florian Gams, der ebenso zur Ausstellungseröffnung gekommen ist wie der stellvertretende Landrat Klaus Jeggle oder Dr. Klaus Rose, als ausgewiesener Historiker mit der Materie bestens vertraut. Auch Kreisheimatpfleger Rudolf Drasch und Erika Schwitulla vom Kultur- und Geschichtsverein Vilshofen sind da, lauschen den Begrüßungsworten und lassen sich von den Seminaristen anschließend ihren ganz besonderen Erinnerungsort vorstellen. Ja, man hört den jungen Damen und Herren zu, und diese haben ihrem Publikum Wichtiges zu sagen. Mit Sicherheit ist dies eine Erfahrung, die von den angehenden Abiturientinnen und Abiturienten nicht so schnell vergessen wird. Am Ende bleibt ein äußerst gelungener Abend, der viel Wissenswertes enthielt, der zu interessanten und kurzweiligen Gesprächen führte und der – sofern man dies an einem solchen Tag anführen darf – auch künstlerisch überraschte: Theresa Wallner, Lucas Hundhammer und Pauline Saller gestalteten die Begrüßung musikalisch.

Liebes P-Seminar, große Klasse!

Zu sehen ist die Ausstellung im Übrigen bis zum 14. Februar in der Halle des C-Baus!

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OStR Markus Peter

Gruppenbild: Gesine Hirtler-Rieger

 

 

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