Naturwissenschaftlich-technologisches und Sprachliches Gymnasium  

Auf Spurensuche jüdischen Lebens in Bayern: Die Klasse 8c fährt nach München

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Im Rahmen des Deutschunterrichts ging die Klasse 8c in München auf Entdeckungsreise nach Spuren der jüdischen Geschichte unseres Landes. Die erste Station führte uns in den Olympiapark. Am 2017 errichteten Gedenkort für die Opfer des Olympiaattentats von 1972 machte sich die Klasse ein Bild von den Ereignissen von vor knapp 50 Jahren, als palästinensische Terroristen in das Quartier des israelischen Olympiateams eindrangen und elf Geiseln nahmen, um Häftlinge aus ihren Reihen freizupressen. Alle Geiseln und ein Polizist starben schließlich beim Befreiungsversuch. Die Schülerinnen und Schüler erfuhren in unmittelbarer Nähe der damaligen Schauplätze aber auch, dass die Aufarbeitung dieses Terroraktes bis in die jüngste Vergangenheit dauerte und lange die deutsch-israelischen Beziehungen belastete. Während uns das Mahnmal in Sichtweite des olympischen Dorfes an dieses dunkle Kapitel der deutsch-jüdischen Geschichte erinnerte, ließ uns der Blick auf das gegenüberliegende Olympiastadion an eine ganz andere Begebenheit denken: In diesem Stadion feierte der FC Bayern große Erfolge, von dort aus dominierte er in den 1970er Jahren den europäischen Fußball. Den Grundstein dafür aber legte Kurt Landauer, ein Münchner Jude, der (mit kurzer Unterbrechung während des Ersten Weltkrieges) von 1913 bis 1933 der Präsident des jungen FC Bayern war und den Verein entgegen den damaligen Überzeugungen konsequent international ausrichtete, Trainer und Spieler aus dem Ausland verpflichtete und Spiele mit europäischen Vereinen organisierte, um von ihnen lernen zu können. 1933 wurde er gezwungen, das Amt aufzugeben und – wie alle weiteren jüdischen Vereinsmitglieder – schließlich den Club zu verlassen. Bemerkenswerter aber ist, dass Landauer nach dem Krieg zurückkehrte und trotz allem, was ihm und seiner Familie angetan wurde, von 1947 bis 1951 noch einmal das Präsidentenamt übernahm und half, seinen Verein wieder aufzubauen!

Den Höhepunkt der Fahrt aber stellte der Besuch des Jüdischen Museums am Jakobsplatz dar. Aufgeteilt in drei Gruppen erkundeten wir das Museum und lernten dabei viel Interessantes über die jüdische Geschichte und die Kultur kennen. Seit 1700 Jahren ist das jüdische Leben in Deutschland dokumentiert und so ist es nicht verwunderlich, dass manche jüdischen Gebräuche von den christlichen Gemeinden übernommen wurden und sich viele Parallelen finden lassen. Ein Beispiel dafür ist der im Museum ausgestellte Hochzeitsstein, auf dem die Braut traditionell ein Glas zertritt - ein Brauch, der sich leicht abgewandelt im typischen Junggesellenabend wiederfindet. Aber auch Wörter aus dem Jiddischen fanden Eingang in unseren Sprachgebrauch, und ganz selbstverständlich trugen jüdische Menschen, ob als Künstler, Wissenschaftler oder schlicht als einfache Bürger zum Wohlergehen aller bei. Trotz aller Widrigkeiten und dunkler Zeiten in unserer Geschichte blüht das jüdische Leben in Deutschland heute wieder auf. So kehrten die 25 Schülerinnen und Schüler am Abend nach Vilshofen mit dem Wissen zurück, dass das Judentum einen wichtigen Teil unserer Kultur darstellt.

StD Dr. Konrad Wieland

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