Naturwissenschaftlich-technologisches und Sprachliches Gymnasium  

Zeitungen und Redakteure als Auslaufmodelle? - Helmuth Rücker gibt Einblicke in die Welt der Nachrichten

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Was macht eigentlich ein Redakteur genau? Braucht man den in technischen Zeiten wie diesen? Und wer liest eigentlich noch Zeitung? Diese und viele andere Fragen hatten die Schülerinnen und Schüler der Klassen 8b und 8d des Gymnasiums Vilshofen an den erfahrenen und regional durchaus sehr bekannten Journalisten Helmuth Rücker, Redaktionsleiter des Vilshofener Anzeigers. Wobei: Journalist würde er sich nicht unbedingt nennen, wie Rücker gleich zu Beginn anmerkte, denn anders als der Begriff Redakteur werde diese Berufsbezeichnung heute eher inflationär gebraucht und sei auch nicht besonders geschützt. Ein Redakteur habe hingegen in der Regel in einem mehrjährigen Volontariat berufliche Erfahrung gesammelt und nicht selten vorher sogar studiert. Für den Besuch Rückers, den Herr Dr. Wieland organisiert hatte, wurden die Rollen bewusst umgedreht: Die Schüler führten ein Interview und der Profi antwortete offen und ehrlich.

Wozu also diese solide Ausbildung, wenn heutzutage doch jeder über die modernen Medien Neuigkeiten verbreiten kann? "Damit jemand den Sachverhalt im Vorfeld recherchiert und überprüft, ob die Meldungen und Neuigkeiten auch stimmen", entgegnete der Redakteur. Denn es komme nicht nur darauf an, Neuigkeiten möglichst schnell an die Leserschaft zu bringen, sondern Falschmeldungen auszuschließen. Das dauere vielleicht etwas länger als in Chatrooms oder den sozialen Plattformen, dafür sei der Wahrheitsgehalt der Nachricht aber wesentlich höher. In der Folge ging es zunehmend auch um die Rolle der Medien im öffentlichen Raum, ihren Einfluss und ihre Verantwortung. Am Beispiel des früheren Bundesverteidigungsministers Rudolf Scharping, der im Wellnessurlaub abgelichtet wurde und mit seiner Frau auf die Titelseiten der großen Tageszeitungen wanderte, weil zeitgleich deutsche Soldaten in den Auslandseinsatz gingen, machte Rücker diese Verantwortung deutlich. Scharping kostete das Foto damals das Amt. In solchen Fällen, so der Redakteur, müsse immer abgewogen werden, wo die Persönlichkeitsrechte des Einzelnen berührt sind und was im öffentlichen Interesse liege. Bei Personen des öffentlichen Lebens, vor allem Politikern, die ja auch Macht ausüben würden, lägen die Grenzen hier oft anders, denn die Medien hätten vor allem auch eine Kontrollfunktion. An weiteren Beispielen, wie der Frage, ob man in der aktuellen Corona-Krise Fotos von leeren Supermarktregalen abdrucken sollte, wurde klar, dass die Schülerinnen und Schüler die verantwortungsvolle Aufgabe der Medienvertreter verstanden hatten.

Und wie sieht es nun mit dem Medium Zeitung aus? Sind ihre besten Zeiten vorbei? Nun, Sorgen um seinen Beruf macht sich Helmuth Rücker nicht. Er hielt vielmehr mit einem Zitat dagegen: "Solange man mit dem Internet keine Fliegen erschlagen kann, ersetzt es noch nicht die Zeitung". Auch in Zukunft würden nämlich Menschen gebraucht, welche zum Beispiel online-Ausgaben betreuen und Geschichten und Storys recherchieren. Insofern gebe es in diesem Bereich immer viel zu tun. Außerdem gefalle ihm der Beruf sehr, auch wenn es nicht nur schöne Neuigkeiten zu berichten gebe: Zu nahezu jedem Holzkreuz entlang der Land- und Bundesstraßen der Umgebung könne er eine Geschichte erzählen. Aber auch das seien Informationen, die man nur wisse, wenn jemand darüber berichte.

Auf diese Weise vergingen die beiden Schulstunden viel zu schnell, und am abschließenden Applaus der Schülerinnen und Schüler konnte man klar erkennen, dass es ihnen gefallen hatte, aus erster Hand zu hören, was im Berufsfeld des Redakteurs und der Medien Sache ist. Das scheinbar in die Jahre gekommene Medium "Zeitung" kann also so betrachtet immer noch sehr spannend sein. Wir danken Herrn Rücker sehr für seinen Besuch und wünschen ihm für sein tägliches Schaffen alles erdenklich Gute!

OStR Markus Peter

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