Naturwissenschaftlich-technologisches und Sprachliches Gymnasium  

Wenn Haifischzähne auf Granit beißen: Spannende Exkursion der Geologiekurse

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Kann Geologie spannend sein? Wenn man dabei nur an verschiedene Gesteinsarten in Brockenform denkt, vielleicht nicht gerade. Wenn man sich dann aber Emily Sommerers Erlebnisbericht durchliest, merkt, dass unsere Region unter der Grasnarbe mindestens so interessant ist wie oberhalb, und plötzlich vor der Erkenntnis steht "Das habe ich doch schon mal im Unterricht gehört", dann, ja dann reift vielleicht tatsächlich die Überzeugung heran: "Geologie ist total angesagt!" Folgen wir einfach Emilys Ausführungen über zwei erlebnisreiche Tage auf Exkursion:

"Am 01.10.2020 und 02.10.2020 durften wir Schüler aus den Geologiekursen Q11 und Q12 eine spannende Abwechslung zum sonst eher eintönigen Schulalltag erleben: eine zweitätige Exkursion in die Höhen und vor allem Tiefen unserer Region! Die erste Information, die wir bekamen, machte uns schon einmal sehr neugierig: Wir sollten eine Warnweste, einen Hammer und eine Schuhschachtel mitnehmen. Und wofür wir Hobbygeologen diese Dinge brauchten, das sollten wir auch bald erfahren. Die Referenten, die uns und unsere Lehrkräfte durch zwei überaus lehrreiche Tage führten, waren der Geologe Herr Dr. Uli Hauner und der Paläontologe Herr Dr. Friedrich Pfeil. Im ersten Teil der Exkursion lag der Fokus auf der Geologie, weshalb uns Herr Dr. Hauner durch den Tag führte. Die erste Station war der Burgberg Winzer, wo auch gleich unsere Hämmer zum Einsatz kommen konnten. Nach anfänglicher Zurückhaltung wurden fleißig Gesteine aus dem Hang herausgeschlagen, wobei wir gelernt haben: Alles, was kleiner als Faustgröße ist, ist nur ein Kiesel – also nur keine falsche Zurückhaltung! Aber was genau wanderte denn da in unsere Tüten und Schuhschachteln? Es ist der sogenannte Mylonit: Ein Gestein mit Feldspat, Quarz und Biotitlagen. Die dort stattgefundene Metamorphose, also Umwandlung von Gesteinen bei hohen Temperaturen und unter Druck, nennt man auch Grünschiefermetamorphose. Dieser Prozess hat dazu geführt, dass das dortige Gestein teilweise leicht grünlich scheint.
Nach dieser kleinen Einführung in die Welt der Gesteine fuhren wir zum Steinbruch Patersdorf-Prünst, der wirklich sehr beeindruckend war. Hier fanden wir den berühmten Granit aus dem Bayerischen Wald. Wir konnten es gar nicht glauben, was es über Granit alles zu lernen gibt: Außer „Feldspat, Quarz und Glimmer – Das vergess ich nimmer“ gibt es über das Wunder Granit noch viel mehr zu lernen. Als der Bayerische Wald noch ein Hochgebirge war, diese Zeit nennt man variskische Gebirgsbildung, drang Magma in hochmetamorphe Gesteine ein. Durch verschiedene Prozesse ist im Granit mehr oder weniger Quarz enthalten (Quarz ist der weiße Bestandteil des Granits), wir konnten sogar große Quarzadern finden, die sich durch den Granit ziehen. Wichtig zu erwähnen ist hier die Bayerischen Pfahlzone: Das ist eine Störung im Bayerischen Wald, also sozusagen ein Bruch, der Auslöser für viele geologische Prozesse in der Umgebung war. Mit mindestens drei verschiedenen Arten von Granitbrocken in der Hand ging es dann auch schon weiter zur nächsten Station.
Vom Steinbruch zum Steinbruch: Unsere nächste Station war der Quarzbruch March. Quarz entstand, als sich die Erdkruste in der Region verschob und sogenannte Fliederspalten entstanden. Der Quarz wird bei einer Temperatur > 250°C abgeschieden und erkaltet dann wieder. Heute wird das Gestein vor allem in der Industrie, zum Beispiel für die Mikrochip-Herstellung und für Silikonprodukte verwendet. Nach einem sehr informativen Vortrag von Herrn Dr. Hauner durften wir wieder selbst auf die Suche nach den Geheimnissen des Quarzes gehen und konnten sogar Steine mit Bergkristallen darauf finden.
Als nächstes durften wir eine wunderschöne Umgebung genießen: Wir fuhren zur Buchberger Leite. Inmitten von einem wunderschönen Wald mit einem Fluss gab es ein sehr interessantes Gestein zu finden: Ultramylonit. Durch Bewegung der Erdkruste an der Bayerischen Pfahlzone wurden die dortigen Gesteine sehr stark deformiert, sodass das heutige Gestein, der bereits genannte Ultramylonit, straff geschiefert, feinkörnig und von Brüchen durchzogen ist. Dann waren wir auch schon an der letzten Station des ersten Tages angekommen: Der Steinbruch Steinerleinbach bei Röhrnbach. Hier gibt es eine große Vielfalt an Gesteinen, welche teils sogar in einem Gesteinsbrocken vereint sind. Das Gestein ist überwiegend grau, was seinen Ursprung in dem großen Hornblendeanteil hat. In der Hornblende ist viel Eisen und Magnesium enthalten. Die unterschiedlichen Arten enthalten unter Anderem Feldspat, Biotitkristalle und schwarzen Glimmer. Außerdem sind hier Gesteine mit einem für diese Region sehr hohen Aluminiumanteil vorhanden. Dieser lässt sich dadurch erklären, dass vulkanisches Material mit eingeflossen sein muss. Die dunklen Gesteinsfragmente haben ihren Ursprung in der Aufschmelzung magmatischer Ausgangsgesteine, die sich mal mehr und mal weniger mit den anderen Gesteinen vermischt haben. Dieser Steinbruch sei laut Herrn Dr. Hauner eine Goldgrube, da die bundesweite Nachfrage nach diesen Steinen besonders hoch sei. Diese Station war definitiv eine gelungene Abrundung des ersten Exkursionsteils.

An Tag zwei widmeten wir und vor Allem der Paläontologie, also der Fossilienforschung. Der Experte Herr Dr. Pfeil brachte uns deshalb die Wunder der Vergangenheit näher. Wir bekamen die Möglichkeit, Herrn Bernhard Weinbergers Anwesen in Mayerhof bei Ortenburg zu besuchen. Hier lässt sich ein sogenanntes Hoch-Tief-Schema feststellen, das heißt, dass sich aufgrund früherer tektonischer Ereignisse Senkungen sowie Hochs gebildet haben. Mayerhof befindet sich in einer Senkung. Früher gab es in der Region ein Gebirge, welches dann abgetragen wurde. Das Areal wurde dann mit Wasser gefüllt und das Thetys-Meer entstand. Dieses wurde nach und nach von Landmassen umschlossen und verschwand langsam. Durch diese Prozesse kann man heute noch Fossilien, wie beispielsweise Muscheln, finden, ohne weit zu graben. Das durften wir wissbegierigen Paläontologie-Anfänger natürlich sogleich selbst ausprobieren: Eifrig griffen wir nach Hammer und Schaufel und wurden auch tatsächlich fündig. Einige versteinerte Austern durften uns dann zur zweiten Station begleiten.
Es ging weiter in den Niederbayerischen Schotterwerken: Nach einer kurzen allgemeinen Einführung durch Herrn Peter Gusek, dem Geschäftsführer, übernahm Herr Dr. Pfeil. Das Areal befindet sich auf dem Aidenbach-Griesbacher Hoch, was ein Teil des bereits erwähnten Hoch-Tief-Schemas ist. Der vorherrschende Granit wurde im Laufe der Jahrmillionen immer wieder von anderen Gesteinen sowie Meeren überlagert, wobei von dem letzten Meeresvorstoß vor circa 17 oder 18 Millionen Jahren letzte Ablagerungen noch erhalten sind. Auch ein ehemaliges Flusssystem hat hier seine Spuren hinterlassen. Aufgrund von diesen Entwicklungen kann man hier heute noch Reste von Haien, Rochen und Muscheln finden. Und so sollte fast jeder von uns mit einem selbst ausgebuddelten Haizahn nach Hause gehen.
Unsere vorletzte Station brachte uns nach Mittendorf zum Neuhofener Mergel der Ziegelei Ebersdobler. Wo früher Granit abgebaut wurde, befindet sich heute eine wahre Goldgrube für Fossilien. Der Granit war eine natürliche Barriere für das schon oben erwähnte Kommen der Meere und ist dadurch sehr stark verwittert. Diese kugeligen Verwitterungsformen nennt man auch „Wollsäcke“. Auch eine immense Menge an Mergel, das ist ein hellgraues Sedimentgestein, ist hier zu finden. Das aus Kalk und Ton bestehende Gestein ist durch die Tierskelette, die sich darin befinden, sehr weich. Es hat uns sehr erstaunt, welche Menge an Fossilien im Mergel enthalten ist. Wir mussten eigentlich nicht einmal wirklich suchen, um etwas zu finden. Neben der großen Vielfalt ist auch sehr schön, dass die Überreste nahezu perfekt erhalten sind. Nach diesem fossilienreichen Tag fand die Exkursion im Kieswerk Alex in Rauscheröd seinen Ausklang. Hier kann man Schüttungsflächen und Bänderungen sehen, die von einem früheren Fluss geschaffen wurden.

Und so gingen zwei sehr interessante und natürlich auch lustige Exkursionstage zu Ende und der Bus machte sich wieder auf den Weg Richtung Gymnasium Vilshofen. Wir möchten unseren beiden Referenten Herrn Dr. Hauner und Herrn Dr. Pfeil hiermit noch einmal von ganzem Herzen danken, dass sie sich die Zeit genommen haben, uns Schülern die Geologie und die Paläontologie so lebendig näher zu bringen. Auch ein großes Dankeschön an unsere Geologielehrkräfte Frau Anja Trippensee und Herrn Dr. Konrad Wieland, die es geschafft haben, uns eine so großartige Exkursion trotz der derzeit schwierigen Umstände zu organisieren."

Emily Sommerer, Q12

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