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Wo einst Kontinente aufeinanderprallten: Geologiekurse auf Exkursion in der Oberpfalz

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Was passiert, wenn bei einem Unfall zwei Autos kollidieren? Mit dieser Frage wurden die 46 Schülerinnen und Schüler konfrontiert, die an der zweitägigen Geologie-Exkursion in die Oberpfalz teilnahmen. Die Antwort ist natürlich einfach: Die Autos werden verbeult und übereinandergeschoben. Aber was auf Autos zutrifft, kann auch auf Gesteine übertragen werden: Bei einer Kollision zweier Kontinente werden diese von unglaublich großen Kräften zerbrochen, verformt, gestapelt, ja sogar aufgeschmolzen und umgewandelt.

Quer durch die Oberpfalz zieht sich eine solche Nahtstelle zweier Kontinente: Als genau hier vor rund 300 Millionen Jahren der Südkontinent Gondwana auf den Nordkontinent Laurentia traf, schob sich ein gewaltiges Gebirge auf, höher und mächtiger als die heutigen Alpen. Für Geologen aus aller Welt ist dieser Raum daher ein wahres „El Dorado“. Nicht zuletzt deshalb wurde nahe Windischeschenbach in den 1990er Jahren das Kontinentale Tiefbohrprogramm der Bundesrepublik Deutschland (KTB) durchgeführt und später dort als Nachfolgenutzung ein Informationszentrum für Schulen, Universitäten und Lehrerfortbildungen eingerichtet. Unter der Leitung von Frau OStRin Tanja Plöchinger, Herrn StD Stefan Stadler und Herrn StD Dr. Konrad Wieland machten sich im Herbst die beiden Geologie-Kurse unseres Gymnasiums auf, dieses Angebot zu nutzen und die Nahtstelle der Kontinente genauer zu erkunden. Neben der Besichtigung des immer noch größten Landbohrturms der Welt konnten unsere Schülerinnen und Schüler an der KTB Gesteine analysieren und sich zum Beispiel über moderne Bohrtechniken oder den aktuellen Stand der Erdbebenforschung informieren. Die Schulungskosten übernahm dabei freundlicherweise vollständig der Freundeskreis des Gymnasiums Vilshofen, dem dafür an dieser Stelle nochmals herzlich gedankt sei.

Wie sehr die Geologie das Leben und Wirtschaften der Menschen bestimmt, stand am zweiten Exkursionstag auf dem Programm: Im nahen Flossenbürg untersuchte unsere Gruppe zuerst den Flossenbürger Granitdom, auf dessen Gipfel bis heute eine malerische Burgruine thront. Seine eindrucksvollen Strukturen und Kluftsysteme lassen klare Rückschlüsse auf die Entstehung des Granitstockes zu, der in seiner Formgebung und Verwitterung eng mit dem Zuckerhut in Rio de Janeiro verwandt ist. Aufgrund seiner hervorragenden Eignung als Baumaterial wird der Granit in Flossenbürg seit Ende des 19. Jahrhunderts abgebaut. Mit Blick auf die Risse und Klüfte im Granit wird aber auch deutlich, dass sich dieses Gestein nicht - wie in letzter Zeit wieder diskutiert wird - als Lagerstätte für radioaktive Abfälle eignet.

Es ist aber nicht denkbar, Flossenbürg zu besuchen, ohne auf die Schattenseiten des dortigen Granitabbaus einzugehen: Zwischen 1938 und 1945 mussten im KZ Flossenbürg insgesamt über 100 000 Strafgefangene das Gestein unter grausamsten Bedingungen abbauen. Beim Besuch der Gedenkstätte informierte Herr StD Stefan Stadler die Schülerinnen und Schüler über das Lagerleben und das Vorgehen der Nationalsozialisten, die das Lager zur„Vernichtung der Gefangenen durch Arbeit“ bei gleichzeitiger Wertschöpfung aus dem Granitabbau errichtet hatten. Ungewollte Aktualität bekam unser Besuch aufgrund der eben an diesem Tag im Landtag stattfindenden Diskussion, ob der immer noch betriebene Granitabbau angesichts der geschichtlichen Bürden weitergeführt werden soll. Mittlerweile steht fest, dass die laufenden Pachtverträge nicht mehr über das Jahr 2024 hinaus verlängert werden.

Weit weniger bedrückend gestaltete sich der letzte Programmpunkt der Exkursion: Bei einem Besuch des Hohen Parkstein erfuhren die Jung-Geologen, wie es vor etwa 22 Millionen Jahren zum Vulkanismus in der Oberpfalz kommen konnte und wie sich die Form der beeindruckenden, in Parkstein oft als Baumaterial verwendeten Basaltsäulen erklären lässt.

So ging eine inhaltlich prall gefüllte Exkursion zu Ende, bei der nicht nur die im Unterricht in der Theorie behandelten Themen konkret veranschaulicht werden konnten. Es wurde auch deutlich, dass die Geologie oftmals mehr als auf den ersten Blick erkennbar in das Leben der Menschen hineinreicht und ihr Handeln beeinflusst.

StD Dr. Konrad Wieland

 

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