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Wenn der Watzmann ruft...

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… muss das nicht unbedingt in einer Tragödie enden, wie es einst im Alpendrama von Wolfgang Ambros & Co. der Fall war. Im Gegenteil: Als sich Mitte Oktober eine Gruppe von 67 Schülerinnen und Schülern, begleitet von Frau Maier, Frau Plöchinger, Herrn Nebel und Herrn Wieland auf den Weg machte, das Berchtesgadener Land und dessen Geologie zu erkunden, war das Resultat eine ebenso lehrreiche wie heitere Veranstaltung. Bei bestem Wetter ging es am ersten Tag der zweitägigen Exkursion zuerst durch die Wimbachklamm hinauf ins Wimbachgries. Die vom Deutschen Alpenverein als schönste Wanderroute der Alpen bezeichnete Tour bot uns einen großartigen Einblick in die geologische Struktur der Ostalpen und in die Vorgänge, die zur Entstehung und späteren Formung des Gebirges geführt haben. 

Zur Entstehungszeit vor rund 225 bis 136 Millionen Jahren war das Berchtesgadener Land meist vom Meer bedeckt und bildete eine tropische Lagunenlandschaft. Abhängig von den jeweiligen Bedingungen lagerten sich hier unterschiedlichste Kalk- und Dolomitschichten ab, wurden Fossilien gebildet und Lagerstätten angelegt. Schon der Gang durch die spektakuläre Wimbachklamm zeigte uns einen Querschnitt durch 40 Millionen Jahre Erdgeschichte: Auf die grauen Radiolarite folgen leuchtende Rot- und Flaserkalke, die Reste von Seelilien enthalten. Ihnen schließen sich die grauen Hornsteinkalke an, deren eingebackene Knollen fossilierte Reste von Seeschwämmen sind. Der Wimbach jedoch, der beinahe senkrechte Wände in die Klamm schneidet, ist die jüngste Zutat des Ensembles: Er fließt erst seit der letzten Eiszeit, als die Gletscher abschmolzen und das stürzende Wasser sich seinen Weg durchs Gestein bahnte.

Als wir die Klamm verließen, suchten wir den Wildbach aber vergeblich: Das vom Watzmann und Hochkalter herabfließende Wasser versickert im Wimbachgries, Europas längstem Strom aus Gesteinsbrocken. Die Talwände der beiden das Tal begrenzenden Berge bestehen im vorderen Bereich aus hunderten von Kalkschichten, die zur Zeit der Alpenhebung gehoben und gebogen wurden. Im hinteren Bereich aber bildet Dolomit die Talwände. Anders als Kalk reagiert dieser auf Belastungen und Verwitterung aber spröde. So entstand durch Frostsprengung seit der letzen Eiszeit eine bis zu 100 Meter mächtige Decke aus kleinstückigem Schutt (Gries), die das Tal bedeckt und von den Talwänden her immer weiter aufgefüllt wird.

Die beständige Verwitterung des Materials führt zu einer besonderen Dynamik im Ökosystem der Berchtesgadener Alpen: Bei unserer Wanderung überquerten wir zum Beispiel Schwemmfächer und Schuttströme, die ganze Waldstreifen ganz oder zum Teil unter sich begraben haben. Altes wird vom Schutt bedeckt, während ständig neue Lebensräume entstehen. Und als wir am nächsten Tag vom Fenster der Jugendherberge Bischofshofen aus sehen konnten, dass der im Tal als Regen fallende Niederschlag bereits jetzt, Anfang Oktober, für Schneedecken auf den Gipfeln des Watzmann und Hochkalter geführt hatte, wurde deutlich, dass auch die klimatischen Bedingungen des Hochgebirges eine besondere Herausforderung für die Flora und Fauna darstellen. Unsere Wanderung ins Gries verlief aber reibungslos. Und wenn die Steigung so mancher Schülerin und so manchem Schüler einiges abverlangte, entschädigten doch die spektakulären Ausblicke auf die Gesteinsformationen, die herrlichen Herbstfarben der Wälder und die Brotzeit auf der Hütte, dem Wimbachschloss, für die Anstrengungen. 

Waren wir am ersten Tag den Gipfeln der Berge nahe, strebten wir am zweiten Tag dessen Wurzeln entgegen. Nach einem sehr interessanten Besuch im Haus der Berge, dem neuen Informationszentrum des Nationalparks, fuhren wir ins Salzbergwerk Berchtesgaden ein. Auch am zweiten Tag ging es also um „Geologie zum Anfassen“! So erfuhren wir vor Ort, wo und wie unser Salz gewonnen wird. Wir betrachteten die Faltung und Lagerung salzhaltiger Schichten und diskutierten mit dem uns führenden Bergmann über technische Fragen des Abbaus. Für Staunen sorgte die Überfahrt über den unterirdischen Spiegelsee, den großen Salzsee, der uns mit seinen Ausmaßen von rund 100 Metern Länge und 40 Metern Breite beeindruckte. Begleitet von sphärischen Klängen und darauf abgestimmten Lichteffekten bewunderten wir hier die spiegelnden Salzkristalle und das funkelnde Salzwasser, dessen Salzgehalt sogar dem des Toten Meeres nahekommt. Die Kosten für den Bergwerksbesuch übernahm dabei der Freundeskreis des Gymnasiums Vilshofen, dem an dieser Stelle nochmals ausdrücklich gedankt sei!

So gingen die beiden Tage auf und unter den Bergen Berchtesgadens, bei denen neben fachlichen Informationen zur Geologie und Geographie des Nationalparks und zur Dynamik dieses Ökosystems auch die heitere Seite keinesfalls zu kurz kam, stimmungsvoll zu Ende.

Gewiss also war es nicht das letzte Mal, dass der Watzmann die Vilshofener Schülerinnen und Schüler zu sich gerufen hat…

StD Dr. Konrad Wieland

 

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